Ortsgeschichte Düpow

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Die 60-seitige Dorfchronik wird auf dem Festplatz zu erwerben sein. 

 

Düpow feiert in diesem Jahr, ebenso wie Perleberg, sein 775. Jubiläum. Daß es zur gleichen Zeit wie die Stadt ins Licht der Geschichte tritt, ist aber einem Zufall zu verdanken. Denn dasselbe Dokument aus dem Jahre 1239, das zum ersten Male Perleberg erwähnt, nennt auch einen „Wesselinus de Dupow“. Der Ort muß also damals schon existiert haben.

Der Ortsname ist nicht eindeutig geklärt. Am plausibelsten erscheint mir eine Rückführung auf den slawischen (altpolabischen) Personennamen Dupa, also „Ort des Dupa“. Für slawischen Ursprung spricht auch, daß in der Düpower Feldmark ein zu einer Siedlung gehöriger jungslawischer Schatz geborgen wurde, den man auf 1070 datiert. Der Ort ist also möglicherweise schon 160 Jahre älter. Sprachlich paßt andererseits dazu, daß bis ins 15. Jh. die Belege durchweg das slawische -u- enthalten. Erst dann erscheint das heutige -ü-, das wohl dem Einfluß des mittelniederdeutschen Wortes düpe „Tiefe“, hier also wohl  „tiefgelegenes Land“, zu verdanken ist. Um diesen Wandel zu verstehen, sei daran erinnert, daß die slawischen Einwohner im Laufe der Jahrhunderte eingedeutscht wurden und ihre ursprüngliche Sprache nach und nach aufgaben.

Der Siedlungsform nach ist Düpow ein Angerdorf. Durch den Bau der Berliner Chaussee (heutigen B 5)  im 19. Jh. wurde der ursprüngliche Dorfanger um die auf erhöhtem Platz errichtete Kirche herum aber durchschnitten, und die Hauptverkehrsachse drehte sich von W–O auf N–S.

Die Gemarkungsgröße (incl. Bebauung und Gartenland) wurde 1860 mit 3008 Morgen angegeben, davon 250 Morgen Wald und – interessanterweise – 10 Morgen Torf (der wohl gestochen und als Heizmaterial verwendet wurde). 1900 und 1931 betrug sie 831 ha.

Das Dorf war sicherlich von Anfang an bäuerlich geprägt. Im 15. Jh. sind mehrfach Überfälle mecklenburgischer Raubritter bezeugt, die große Schäden verursachten, Höfe brandschatzten und Pflugpferde stahlen. Ab 1576 bis ins beginnende 19. Jh. sind regelmäßig 15 oder 16 Hüfner, also Vollbauern, bezeugt, außerdem bis zu 10 Kossäten bzw. Kätner. Dies waren Leute, die zwar ein Häuschen, aber nur wenig Land besaßen und sich zur Sicherung ihres Unterhaltes auf den Höfen verdingen mußten (das Wort kommt übrigens von mittelniederdeutsch kotsete, d. h. „Besitzer einer Kate“). Daneben gab es immer auch einen Hirten, der die Kühe, zeitweise aber auch die Schweine hüten mußte.

Ende des 17. Jh. sind sogar zwei Schulzen bezeugt, was wohl damit zusammenhängt, daß die (unten noch zu erörternden) Herrschaftsrechte in den Händen mehrerer Adelsfamilien lagen. Für 1686 existiert eine detailliertere Beschreibung der wirtschaftlichen Situation. Danach gab es 16 Hüfner, 6 Kossäten, 3 Kätner mit etwas Land, 2 Einlieger, 1 Kuhhirten, der sich auch um die Schweine kümmerte. Man betrieb Roggen- und Gerstenanbau, die Äcker waren mittelmäßig, ebenso wurden Wiese, Weide und Hütung bewertet, dazu kam „etwas Mast, notdürftig Brennholz“, aber keine Fischerei. Die Wirtschaftskraft des Dorfes wurde dementsprechend in die 2. Klasse eingestuft.

Erst für 1852 liegt wieder eine ins Einzelne gehende Aufzeichnung über die wirtschaftlichen Verhältnisse vor. Hauptnahrungsquelle war der Ackerbau. Er wurde im Zwei-, Drei- und Vierfeldersystem betrieben, Weide in Koppelwirtschaft, die Wiesen waren „einschürig“ (wurden also nur einmal gemäht). Der Waldbestand betrug 50 Morgen „Kienenholz“ (= Kieferngehölz; Kien ist das alte Wort für Kiefer, vgl. Kienspan!). Rindvieh- und Pferdezucht wurde nur zum eigenen Bedarf betrieben, auch gab es weder (gewerbsmäßige) Federvieh- noch Bienenzucht und auch keine Fischerei. Ausdrücklich wird noch das Fehlen von Nebenbeschäftigungen vermerkt. Düpow war also ein reines Bauerndorf.

Über die dörfliche Sozial- und Wirtschaftsstruktur sowie die Besitzverhältnisse orientiert dann sehr detailliert ein Dokument von 1907. Genannt sind darin: 1 Gemeindevorsteher mit 43 ha, 8 Bauern  (zwischen 31 und 61 ha), 4 Kossäten (13 bis 21 ha), 13 Landwirte (5 bis 20 ha), 3 Eigentümer (2 bis 5 ha), 1 Gastwirt (22 ha), 1 Schmiedemeister (21 ha), 1 Tischler (13 ha), 1 Zimmermann (3 ha), 1 Händler (3 ha), 1 Lehrer, 1 Altsitzer, 2 Rentner, 2 Witwen. Außerdem wird ein Mühlenbesitzer mit 5 ha erwähnt. Er war Eigentümer einer Bockwindmühle, die noch bis in die 1930er Jahre auf dem Gelände der heutigen Verzinkerei  stand, zuletzt aber mit Strom betrieben wurde.

Daten zum selben Thema liefert wieder eine Aufzeichnung von 1939. Hiernach existierten 11 land- und forstwirtschaftliche Betriebe mit 20–100 ha, 12 mit 10–20 ha, 11 mit 5–10 ha, 29 mit 0,5–5 ha. Sie beschäftigten insgesamt 173 Personen. In Industrie und Handwerk waren  84, in Handel und Verkehr 18 Personen tätig.

Die Nachkriegszeit war von den radikalen sozialen und politischen Eingriffen zunächst der sowjetischen Besatzungsmacht, ab 1949 von denen der neu gegründeten DDR geprägt. So kam es 1946 zur Enteignung von  27 ha, wovon 8 an 4 Neubauern und 19 an 8 Altbauern fielen. Im Zuge der Kollektivierung wurde 1952 die LPG Typ I „Neues Deutschland“ gegründet, zu der 5 Mitglieder mit 19 ha Land gehörten. 1960 entstand eine weitere LPG desselben Typs mit 30 Mitgliedern und 182 ha Land, und im gleichen Jahr eine von Typ III, die 38 Mitglieder und 374 ha umfaßte. Beide wurden im Jahre 1968 zusammengelegt, und 1970 erfolgte ihr Anschluß an die LPG „Frohe Zukunft“ in Sükow. Außerdem war seit 1972 der Betrieb D eines Ausrüstungskombinats für Geflügel- und Kleintieranlagen in Düpow ansässig. Aus ihm ging die heute noch aktive Verzinkerei hervor.

Kurz vor und nach 1800 wurden 45 Feuerstellen (d. h. Haushalte) gezählt, 1846 gab es 49 Wohnhäuser, 1860 4 öffentliche, 60 Wohn- und 50 Wirtschaftsgebäude, 1900 66 Häuser, 1931 60 Wohnhäuser. Die Einwohnerzahl stieg seit 1734, als man 171 zählte, kontinuierlich an (abgesehen von einem unerklärten Rückgang auf nur 76 im Jahre 1772!). Sie überschritt die 200 schon in den ersten Jahrzehnten des 19. Jh., die 300 schon 1837. 1871 betrug sie 379, 1939 320. Ihren Höchststand erreichte sie 1946 mit 461, wohl als Folge der Ansiedlung zahlreicher Flüchtlinge aus den Ostgebieten. Für 1964 und 1991 lauten die Zahlen 377 bzw. 312.

Wie oben gezeigt, gab es seit 1576 bis zum Anfang des 19. Jh. stets 15 oder 16 Hüfner, also Vollbauern. Dies bedeutet aber keineswegs, daß sie alle völlig frei und unabhängig waren. Zumindest einige, wenn nicht gar die Mehrzahl, unterstanden einer auswärtigen Herrschaft, der sie zins- und dienstpflichtig waren. Die Verhältnisse sind allerdings wegen zwischenzeitlicher Verpfändungen, Veräußerungen mit Wiederkaufsrecht und erfolgten oder nicht erfolgten Rückkäufen so kompliziert, daß hier nur ein grober Überblick möglich ist. So besaßen schon seit dem 15. Jh. bis weit ins 19. Jh. (mit Unterbrechungen im eben genannten Sinne) die Edlen Gänse von Putlitz über ihre Güter in Wolfshagen und Groß-Pankow Herrschaftsrechte in Düpow, die den Schulzen, bis zu acht Hüfner und einige Kossäten betrafen. Neben ihnen übten aber noch andere Adelsfamilien Herrschaftsrechte aus. Genannt seien die Herren von Quitzow zu Kletzke und Eldenburg (seit dem 15. bis ins 18. Jh. zeitweise acht Hüfner und etliche Kossäten), die von Karstedt (im selben Zeitraum bis zu drei Hüfner und mehrere Kossäten). In beiden Fällen erfolgten im 18. Jh. Verkäufe, so daß die Rechte auf die Nachbesitzer übergingen. Auch die von Rohr zu Neuhausen und Klein-Linde besaßen im 16. und 17. Jh. Rechte über zwei Höfe, die ebenfalls im 18. Jh. veräußert wurden.

Es waren aber nicht nur Adelsgeschlechter, die Herrschaftsrechte ausübten. Mit dem Erstarken des Bürgertums gelangten solche schon im 15. Jh. in die Hände von Perleberger Patriziern, die oft den in Geldnot geratenen Adligen ihre Rechte abkauften. Auf diesem Wege erwarb ein Strelemann 1442 zwei Höfe von denen von Karstedt, die aber schon 1510 an einen Gans Edlen von Putlitz veräußert wurden. 1499 besaß ein Dobberzin Rechte in Düpow, die im Laufe des 16. Jh. durch Heirat an eine Pritzwalker Familie übergingen. Auch ein Rulow verfügte im 16. und 17. Jh. über einen Hof. Interessant ist der Fall eines Bürgers namens Burghagen in Perleberg. Dieser erwarb, inzwischen offenbar als „von Burghagen“ in den Adelsstand erhoben, im 15. Jh. zunächst drei und später nochmal neun Höfe samt zwölf Kossäten, so daß er 1481 die Rechte über das halbe Dorf besaß. Der Besitz blieb aber wohl nicht lange beisammen und wurde wieder aufgeteilt. Auch die oben schon erwähnten Nachbesitzer, die im 18. Jh. Rechte aufkauften, waren oft hochgestellte und wohlhabende Bürgerliche; genannt werden ein Regierungsrat und ein Zolldirektor.

Zu erwähnen ist noch, daß auch der Perleberger Stadtrat von 1542 bis nach 1860 wegen des Kirchenpatronats Rechte in Düpow hatte. Dasselbe galt für die Pfarre und die dortige Kircheninspektion bzw. Superintendentur, die ebenfalls bis ins 19. Jh. über einen Hof in Düpow, den Pfarrbauernhof, gebot.

Wie lange diese herrschaftlichen Rechte noch bestanden und wie belastend sie waren, zeigt ein eindrucksvolles Beispiel: Erst 1798 kauften sich acht Düpower Bauern von den Dienstbarkeiten frei, die sie dem Herren von Knobelsdorf zu Kletzke (als Nachfolger der Quitzows) schuldeten. Gleichzeitig erwarben sie das erbliche Eigentum an ihren Höfen. Allerdings blieben sie weiterhin der Gerichtsbarkeit des Gutes unterstellt, waren also noch immer nicht völlig unabhängig. Daß sie diese relative Freiheit dazu noch eine wohl nicht geringe Geldsumme kostete, braucht man kaum zu betonen.

(Nach den Angaben des Historischen Ortslexikons der Prignitz von Lieselott Enders; Zusammengestellt von Dr. Hans Joachim Schmitt, Bad Wilsnack, Februar 2014)