Buchholz-Orgel

2. Die Buchholz-Orgel in der Düpower Dorfkirche

Carl August Buchholz war einer der bekanntesten Orgelbauer seiner Zeit. Zwischen 1817 und 1884 baute er vorwiegend in Berlin-Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mehr als 140 Orgeln. Die Düpower Kirche erhielt 1869 ihre Orgel.

Carl August Buchholz
Carl August Buchholz (1796-1884)
Carl August Buchholz (1796-1884)

Der Kostenvoranschlag vom 5.September 1868 nennt folgende Disposition:

Manual C – f³                                     Pedal C – d1

Principal                   8`                       Subbaß                 16`

Salicional                   8`                       Violone                   8` (Holz offen)

Octava                       4`                       Pedalcoppel

Gedackt                     8`                     Calcantenglocke

Flauto dolce             4`gedeckt

Gemshorn Quinte   2 2/3` konisch

Super octava             2`

Der Prospekt (nach vorne sichtbarer Teil) besteht aus drei Rundbogenfeldern mit 11/9/11 Pfeifen. In einer alten Orgelkartei kann man lesen:

“Buchholz und Sohn zu Berlin übernimmt den Bau einer neuen Orgel für die Kirche in Düpow nach dem eingereichten Kosten Anschlage vom 5. September 1868. Die Aufstellung soll erfolgen im Frühjahr 1869. Die Orgel soll kosten 808 Thaler. Außer dieser Summe übernimmt die Gemeinde den Transport der Orgel und Werkzeuge, die Reisekosten für 3 mit der Aufstellung der Orgel beschäftigten Personen sowie Wohnung und Unterhalt auf circa 4 Wochen. C.C. Buchholz u. Sohn Orgelbauer und akad. K[ünstler] zu Berlin.”

Später kam es zu einer Änderung des Vertrages. Die Stimmen Gemshornquinte 2 2/3`und Superoctav 2`sollten zunächst fortbleiben; das Werk sei aber so vorzusehen, dass man sie später ergänzen kann. Die Kosten wurden auf 758 Taler reduziert. (Auch damals musste man sparen…) Wann die fehlenden Talerchen für die ausgesparten Register zusammengekommen sind, ist nicht mehr bekannt. Jedenfalls hat Buchholz das Werk komplettiert, so dass wir heute die Orgel in der ursprünglich disponierten Weise hören können.

Im 1. Weltkrieg wurden Zinnpfeifen requiriert und durch minderwertige Zinkpfeifen ersetzt. Im Jahre 1959 wurde ein elektrischer Orgelwinderzeuger eingebaut, so dass das Bälgetreten für die Konfirmanden auf dem Dachboden entfiel.

In den 1970er Jahren drangen Unbekannte in das Kirchengebäude ein, machten die Orgel unbrauchbar und entfernten 24 Pfeifen. Seitdem schwieg das Instrument.

Im Oktober 1992 besichtigten mehrere Orgelbaufirmen die Buchholzorgel zu Düpow. Das einhellige Urteil der Experten: Sie ist es wert, erhalten zu werden. Sie wurde ausgebaut und ausgelagert, um sie vorerst vor weiterer Nässe zu schützen, denn zuerst musste das Dach der Kirche saniert werden. Dies gelang in den Jahren 1996-1998, so dass dann auch die Restaurierung der Orgel in Angriff genommen werden konnte. Der Zuschlag erging an die Firma Ekkehart Groß & Johannes Soldan GbR aus Waditz (bei Bautzen). Das Instrument wurde grundlegen überholt, die Mechanik spielbar gemacht, die fehlenden Pfeifen nach Originalgröße, -legierung und -mensur nachgebaut, ebenso die Prospektpfeifen. Die Orgel erklingt heute so wie vor 145 Jahren. Mit einem Festgottesdienst am 31.10.1998 wurde sie wieder eingeweiht.

In einem Bericht über die Orgelabnahme in Düpow vom 22.4.1999 wird die Restaurierungsarbeit der Orgelbaufirma ausdrücklich vom Kreiskantor Johannes Wauer gelobt. Die klangliche, sanfte und romantische Intonation wurde hervorragend wieder hergestellt.

(Marieluise Schmitt, nach der Broschüre des Festgottesdienstes vom 31.10.1999 von Pfr. Matthias Frenzel)